• 12.10.2017 16:40

    Sollen Hunde am Seeufer an die Leine?

    Hündeler müssen ihre Lieblinge auf Rorschachs Seepromenade an die Leine nehmen - und nicht nur dort. Ist der Leinenzwang für Fiffi aber nötig? Die Redaktorinnen Linda Müntener und Jil Lohse sagen was dafür, und was dagegen spricht.

    Er ist und bleibt der beste Freund des Menschen: der Hund. 30000 Hunde sind derzeit im Kanton St.Gallen registriert. Tendenz steigend. Der Vierbeiner ist mehr als «nur» ein Haustier. Er ist Familienmitglied und begleitet sein Herrchen oder Frauchen im Alltag und in der Freizeit. Für viele «Hündeler» gibt es bei der täglichen Gassi-Runde nichts Schöneres: Beobachten, wie der Liebling frei über Wiesen und Wege rennt, wie er die Umgebung erkundet und wieder zurückkommt. Doch das ist nicht überall erlaubt.

     

    "Die Stadt muss die Leine straff halten"
    Pro: Hunde brauchen ihren Freilauf, keine Frage. Die Seepromenade ist dafür aber der falsche Ort. Wo sich Menschenmassen tummeln, gehört Fiffi an die Leine. Das ist keine Schikane, sondern Rücksichtnahme.

    Amy ist der Traum einer jeden Hundesitterin. Die Border-Terrier-Hündin wurde gut erzogen und hört auf jedes Kommando. Sie wartet vor dem Zebrastreifen, sie schenkt kläffenden Artgenossen keine Beachtung, sie kommt beim ersten Pfiff zurück. Amy könnte keiner Fliege etwas zuleide tun, da ist sich die Hundesitterin sicher. Trotzdem: Auf der Rorschacher Seepromenade muss Amy an die Leine.

    Die Leine ist keine Schikane. Sie dient als Prävention. Sie setzt dem Hund Grenzen. An der Seepromenade ist das nötig – auch im Herbst. Zwar tummeln sich hier während der kalten Jahreszeit deutlich weniger Leute als im Sommer. Gerade für Einwohner der Hafenstadt ist die Promenade aber über das ganze Jahr eine beliebte Spazierstrecke. Auch Velofahrer und Jogger trifft man hier an. Auf dem Spielplatz verbringen Familien ihren Sonntag. Unter all diesen Menschen gibt es solche, die Angst vor Hunden haben. Völlig egal, wie klein der Vierbeiner ist, oder wie brav er «Sitz» und «Platz» macht. Für einen Hündeler scheinen solche Gefühle irrational. Dennoch muss er sie respektieren. Mit Zurückpfeifen ist das nicht getan. Und wer Ängste Anderer mit «Der macht nichts, der will nur spielen» abtut, zeigt keine Erfahrung, sondern Ignoranz.

    Wo verschiedene Gruppen friedlich nebeneinander leben wollen, ist Rücksichtnahme un- abdingbar. Der blosse Appell an die Vernunft von Herrchen und Frauchen genügt nicht.

    Das beweisen all jene, welche die Leinenpflicht konsequent ignorieren und Fiffi bedenkenlos über die Promenade flitzen lassen. Die Stadt muss diese Hundehalter an die Leine nehmen. Und sie muss die Leine straff halten.

    Hunde brauchen ihren Freilauf. Die übervölkerte Rorschacher Seepromenade ist dafür aber der falsche Ort. Auf Feldwegen, abseits der Innenstadt, weit weg von Strassenlärm und Bahnlinie, ist genügend Platz zum Spielen und Austoben. Dort gefällt es auch Amy besser.


     

    "Auch Hunde brauchen ihren Freilauf"
    Contra: Ob das Seeufer in Rorschach der perfekte Ort für einen entspannten Sonntagsspaziergang mit dem unangeleinten Fiffi ist, kann durchaus in Frage gestellt werden. Fakt ist dennoch: Auch Hunde haben einen Bewegungsdrang und den Bedarf, ihm freien Lauf zu lassen.

    Zugegeben: Das Seeufer in Rorschach ist als Spielwiese für den freilaufenden Hund sicher nicht der optimalste Ort, den die Umgebung dafür hergibt. Besonders an Schönwettertagen ist die Seepromenade ein beliebter Ort, an dem sich Spaziergänger, Radfahrer und auch Hundebesitzer zum Gassigehen tummeln. Wer einen Hund hat, der weiss, an manchen Tagen ist es bereits mit angeleintem Vierbeiner schon mühsam, hier in Ruhe seine Runde drehen zu können.

    Kaum vorstellbar, wie es erst zugehen soll, wenn die munteren Flegel, denen es nicht selten an Gehorsam und Disziplin fehlt, unangeleint am Rand des Bodensees umherlaufen dürfen.

    Und trotzdem braucht es Orte wie diesen auch für Vierbeiner. Denn ein jeder Hundebesitzer weiss: Ganz ohne Freilauf geht es nun einmal nicht. Auch unsere treuen Weggefährten haben ein Recht auf Rumtollen, Austoben, ihrem Ball hinterherjagen und ihrem inneren Bewegungsdrang somit einfach mal freien Lauf lassen zu können.

    Zweifelsohne: Für ein friedliches Miteinander ist Rücksichtnahme unabdingbar. Umso wichtiger ist es daher, dass der Hundebesitzer in der Lage ist, seinen Fiffi im Griff zu haben, und somit beurteilen kann, ob ein Hund die nötige Erziehung hat, um dem Freilauf ohne Leine gewachsen zu sein oder nicht. Denn ohne dass der Hund auf den Rückruf des Herrchens reagiert und diesem unabdingbar folgt, geht es nicht.

    Hunde sind soziale Wesen, die an anderen Artgenossen interessiert sind. Ein unangeleinter Hund, dem es an Erziehung fehlt, würde schon allein aus Neugier unbedacht zu einem anderen Hund hinlaufen. Dass nicht jeder Hund mit demselben Frohsinn auf andere Artgenossen reagiert, sollte ein Hundebesitzer eigentlich wissen. Umsomehr ist hier das Urteilsvermögen des einzelnen Hundebesitzers gefragt. Wenn danach immer noch ein rücksichtsvolles und auf Sicherheit bedachtes Miteinander gegeben ist, steht einer unangeleinten Runde Gassi entlang der Seepromenade eigentlich nichts mehr entgegen.

    50 Franken Busse bei Verstoss

    Auf der Rorschacher Seepromenade gilt Leinenpflicht. Und zwar nicht nur während der Sommermonate, in denen sich an Wochenenden Hunderte Spaziergänger am See tummeln. Auch im Herbst müssen Hundehalter ihre Tiere an der Leine führen. Das ist mit mehreren Schildern signalisiert. Denn hier trifft der Hund nicht nur auf Spaziergänger, spielende Kinder, Velofahrer oder Jogger: Er trifft auch auf zahlreiche andere Hunde. Glaubt man Leserbriefschreibern, halten sich längst nicht alle Hundehalter an das Gebot. Für die Kontrolle sind laut Rorschachs Stadtschreiber Roger Böni Polizeipatrouillen und Mitarbeitende der Verkehrsüberwachung zuständig. Wer gegen die Leinenpflicht verstösst, dem droht eine Busse in der Höhe von 50 Franken.

    Im Rathaus an die Leine

    Die Leinenpflicht kennen auch andere Gemeinden. Im Hornerwald weist eine Tafel die Hundehalter darauf hin. In Goldach muss Herrchen seinen Hund in öffentlichen Gebäuden, in Wirtschaften oder öffentlichen Anlagen ohne Hundeverbot an die Leine nehmen, heisst es im Hundereglement der Gemeinde. So handhabt es auch Rorschacherberg. Mehrere Waldabschnitte in der Region dürfen Hunde ebenfalls nicht leinenlos erkunden. Zu Reden gaben freilaufende Hunde zuletzt in Altenrhein. Hundehalter ankerten regelmässig mit ihren Booten in der Flachwasserzone des Rheinspitzes. Dort liessen sie ihre Hunde im Naturschutzgebiet frei laufen. Deshalb verfügte das Schifffahrtsamt ein Ankerverbot. (lim)

Schilder weisen auf die Leinenpflicht am Seeufer hin.
Schilder weisen auf die Leinenpflicht am Seeufer hin.
Linda Müntener.
Linda Müntener.
Jil Lohse.
Jil Lohse.
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