• 12.10.2017 14:53

    Zum Olma-Start: Leuthard herzt das Säuli

    St. Gallen / Sie ist dieses Jahr als Bundespräsidentin in der ganzen Welt unterwegs, für die Olma hatte sie dennoch Zeit: Doris Leuthard eröffnete die Messe und gratulierte zum Jubiläum. Das Publikum freute sich – das Säuli weniger.
    Adrian Vögele

    Harmonie sieht anders aus: Kaum hat die Bundespräsidentin das Olma-Säuli in die Hände genommen, quiekt es panisch.  Doris Leuthard wirkt amüsiert und angespannt zugleich. Sie hält das Ferkel kurz, versucht es zu trösten, gibt es dann aber rasch wieder retour – denn auch das Muttertier protestiert im Hintergrund. Natürlich ist es auch etwas unfair für ein Bundesratsmitglied, die Ferkelprüfung gleich im Jahr nach Ueli Maurer antreten zu müssen. Er hatte sich bei der Eröffnung der Olma 2016 erwartungsgemäss als «Säuliflüsterer» bewiesen – das Tier schlief in seinen Armen beinahe ein. Dennoch: Leuthard meistert die Szene souverän und, wie man es von ihr kennt, mit Humor.«Es wäre ja auch seltsam, wenn das Säuli lieber bei mir wäre als bei seiner Mutter», sagt sie nachher und lacht. Immerhin habe sie gewusst, wie sie das Tier anfassen müsse – es ist nach 2010 ihr zweiter Eröffnungsbesuch als Bundespräsidentin an der Olma. 

    Um Harmonie bemüht sich Leuthard auch bei der Eröffnungsfeier im Theater St.Gallen: Der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer hat zuvor eine launige Rede zum Motto des Gastkantons («De Leu isch los») gehalten – und mit dem Worten geschlossen, der Thurgau wolle von seinen Nachbarn nicht väterlich beschützt, sondern partnerschaftlich ernst genommen werden. «Sonst ist der Leu los!» Worauf die Bundespräsidentin in ihrer Ansprache schalkhaft sagt, sie fühle sich beinahe bemüssigt, hier zu schlichten und «Im Aargau sind zwöi Liebi» zu singen. Gelegenheit zum Gesang hat sie dann tatsächlich noch: Zum Ende der Feier stimmt ein Chor das Thurgauerlied an. Da heisst es auch fürs Publikum: aufstehen, mitsingen, ob Thurgauer oder nicht. Die Dissonanzen halten sich in Grenzen.
     

    Applaus unterwegs: «Brava, Doris, brava!» 

    Der Zeitplan der Bundespräsidentin ist eng – aber nicht so eng wie an manch  anderen Tagen. «Die Olma-Eröffnung ist sozusagen Erholung für mich», sagt sie auf dem Rundgang. Die Messe kennt sie bereits seit der Kindheit – sie sei bestimmt schon zum zehnten Mal hier. Entspannt winkt sie Besuchern zu, die sie rufend begrüssen. Leuthard ist beliebt, das zeigt sich auch hier in St.Gallen. Als amtsälteste Bundesrätin – sie ist seit 2006 in der Regierung – wird sie von manchen gar wie eine alte Bekannte empfangen. Und gelobt. «Brava, Doris, brava!», sagt ein Mann und klatscht in die Hände. Ob er sich auf Leuthards Auftritt bei der UNO in New York und ihre Konfrontation mit Donald Trump bezieht? Schon Olma-Direktor Nicolo Paganini hat die Episode in seiner Eröffnungsrede anerkennend erwähnt: Leuthard – die den «Leu» ja im Namen trage – habe Mut bewiesen, indem sie dem «amerikanischen Adler» gesagt habe, was Sache sei.  Nun, auf dem Messegelände, rückt die Politik für eine Weile in den Hintergrund. Leuthard lässt sich in der Themenwelt «Erlebnis Nahrung» die Pommes-Chips-Produktion zeigen und erhält sieben Packungen zum Mitnehmen – «damit es im Bundesrat keinen Streit gibt». Auf dem Pavillon der Schweizer Armee probiert sie grüne Brennnesselsuppe und ermuntert auch andere dazu: «Es brennt nicht!»

    Für einmal ohne Helikopter

    In der Jubiläumsschau «Meine Olma und ich» testet Leuthard das überdimensionierte Memoryspiel mit Bundesratsfotos von der Olma aus. Sie findet sich selber und auch ehemalige Kollegen: «Ah, der Hansruedi!» Und dann eine entzückte Micheline Calmy-Rey, kuschelnd mit dem Säuli. «So liebevoll hat sie aber nicht immer geguckt», sagt Leuthard mit einem Augenzwinkern und erntet grosses Gelächter. 

    Schliesslich führt Leuthards Weg in die   Sonderschau des Gastkantons Thurgau. Hier versucht sie sich zusammen mit der Thurgauer Regierungspräsidentin Carmen Haag als Modellbootkapitänin, stilecht mit weisser Mütze. Dann ist es Zeit für das Mittagessen, der Ausflug in die Olma-Welt endet. Für einmal wartet draussen kein Helikopter auf den hohen Gast. Die Verkehrsministerin ist mit dem Zug angereist. Für spätere Termine steht ihr berühmter Elektrodienstwagen bereit – der Tesla.

Das Säuli hatte keine Freude, dass es mit Bundespräsidentin Doris Leuthard posieren musste. Dies brachte Fredy Faessler, Regierungspräsident des Kantons St. Gallen, zum schmunzeln.
Das Säuli hatte keine Freude, dass es mit Bundespräsidentin Doris Leuthard posieren musste.
Foto: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
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Olma-Säuli zappelt bei Bundespräsidentin Doris Leuthard