• 13.01.2018 05:19

    35 Millionen teures Data Center in Widnau steht seit Jahren leer

    Immer wieder ist zu hören, bei dem seit seiner Fertigstellung leer stehenden, als Datenzentrum konzipierten Gebäude im Viscosepark sei auch von Rückbau die Rede. Die Eigentümerin dementiert, sie suche nach Käufern.
    Kurt Latzer

    Kurt Latzer

    Christa Köppel, Gemeindepräsidentin von Widnau, steht bei prächtigem Wetter auf dem Dach des Data Centers im Viscosepark. Nicht hörbar unterhält sie sich mit Sven Bradke, Geschäftsführer der Kommunikationsfirma Mediapolis, während eine männliche Stimme die Vorzüge des Gebäudes und dessen Lage im Vier-Länder-Eck anpreist. Auf Englisch. Am Ende des Werbestrei­- fens kommt Christa Köppel zu Wort: «Come to Widnau, the best place to be.»
     

    Das Aus kam vor dem Ende

    Bauherrin des leer stehenden Bürokomplexes ist die Personalvorsorgestiftung der Schweizer Ärzte und Tierärzte (PAT BVG). Sie hat etwa 35 Mio. Franken in das Gebäude investiert.

    Gerade war 2014 die Decke des dritten Geschosses betoniert, als bekannt wurde, der Hauptmieter, die Swiss Data Center AG, sei abgesprungen. Therese Vogt, damals Geschäftsführerin der PAT BVG, sagte vor vier Jahren, unüberwindbare Differenzen mit der vorgesehenen Betreiberin des Datenzentrums hätten zur Prüfung anderer Nutzungsmöglichkeiten geführt. Das Gebäude, Wand an Wand mit Sieber Transport, hat seit seiner Fertigstellung niemand mieten oder kaufen wollen. Und dies, obwohl sich der Bau laut der Besitzerin sowohl als Lager- und Bürogebäude, aber auch als Datenzentrum nutzen liesse. Während das Data-Center-Haus weiter verwaist da steht, wurde vergangenen Herbst bekannt, dass die Neo Immobilien AG aus Widnau auf der Hälfte des Parkplatzes am Parkweg einen mehrstöckigen Gewerbe- und Bürobau realisieren möchte. Anfangen mit bauen wolle man Anfang 2018. Im Gegensatz zum Data Center ein paar Wege weiter seien die Stockwerke im Neo-Immobilien-Bau bereits vermietet. Mehrfach war nun zu hören, beim seit über zwei Jahren leer stehenden Data Center sei sogar von einem Rückbau die Rede. Therese Vogt lässt von der Mediapolis AG ausrichten, von ei­nem Rückbau könne keine Rede sein.
     

    Verkauf steht im Vordergrund

    Immer wieder ist zu hören, das Gebäude tauge weder für Büros noch für ein Lager, weil es zu sehr auf die Swiss Data Center AG massgeschneidert wurde. Ist die Suche nach Mietern deshalb so schwierig? «Das Gebäude wurde als Datencenter geplant und gebaut. Es soll, wenn möglich, als Datencenter verkauft oder vermietet werden», schreibt Sven Bradke. Man stehe zurzeit «in interessanten Gesprächen».

    Wie lange kann es sich die Personalvorsorgestiftung leisten, den 35-Millionen-Bau leer stehen zu lassen? Sven Bradke: «So lange, bis wir eine gute Lösung gefunden haben.»

    Im Vordergrund stehe ganz klar der Verkauf der Liegenschaft. Bereits im Frühjahr 2017 hiess es, es gebe mögliche Mieter. «Ein Datencenter zu ver­kaufen oder zu vermieten, ist keine alltägliche Geschichte. Insofern sind viele Termine, Sitzungen und Absprachen nötig», teilt der Mediapolis-Geschäftsführer mit.

    Sven Bradke versichert, über die neue Data-Center-Webseite sowie den englischsprachigen Kurzfilm mittlerweile internationale Aufmerksamkeit erzielt und somit Besucher aus dem nahen und fernen Ausland empfangen zu haben.

Noch ist das Gebäude der PAT BVG keine Daten-Lokomotive. Das könnte sich dereinst ändern: Die Eigentümerin wirbt im Internet für die Ansiedlung eines Datenzentrums.
Noch ist das Gebäude der PAT BVG keine Daten-Lokomotive.
Foto: Bild: Kurt Latzer
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